TAGE DER HISTORISCHEN KOCHKULTUR 2021

Foto: Anna Keblowska

Gewissermaßen als Echo des Kochbooms in den Massenmedien ist in den vergangenen Jahren auch das Interesse an der kulinarischen Geschichte gestiegen. Immer mehr Museen bieten in ihren Vermittlungsprogrammen Kochkurse an, der ORF setzt auf seiner Facebook-Präsenz auf Clips von Kochshows aus den 1970er Jahren. Unter den Schlagworten “traditionelle Wiener Küche” und “Wirtshauskultur” wird der Wunsch nach Tradition zu Marketingzwecken eingesetzt, Blogs zum Thema erfahren regen Zulauf und backende Omas erzeugen mit ihren althergebrachten Rezepten nostalgische Gefühle.

Das KochKulturMuseum trägt dem Trend Rechnung und veranstaltet ein Festival, bei dem es sich in Workshops und Führungen um die Geschichte der Kulinarik dreht. Das Herzstück ist die Tagung “Über Essen spricht man nicht! Die Geschichte der Kulinarik als Gegenstand der Kulturvermittlung”, die am Samstag und Sonntag im Krahuletz-Museum stattfinden wird.

DAS WAREN DIE 1. TAGE DER HISTORISCHEN KOCHKULTUR

Bericht in den Niederösterreichischen Nachrichten

PROGRAMM

Freitag, 15. Oktober 2021
16.00 Uhr
Auf den Spuren der ältesten Kochgeheimnisse. Kochen wie in Mesopotamien. Kochworkshop
19.00 Uhr
Rezeption im Krahuletz-Museum
20.00 Uhr
Kulinarische Schätze im Krahuletz-Museum. Führung

Samstag, 16. Oktober 2021
ab 9.00 Uhr
Über Essen spricht man nicht! Die Geschichte der Kulinarik als Gegenstand der Kulturvermittlung. Tagung
14.30 Uhr
Kronländer-Küche, modern umgesetzt. Kochworkshops
14.30 Uhr
Kräuterwanderung
16.00 Uhr
Die geweste Gastronomie von Eggenburg. Führung
19.00 Uhr
“Endlich ham die Staana an Gschmack!” Die Römischen Essen im Gasthof zum lustigen Bauern. Festvortrag

Sonntag, 17. Oktober 2021
ab 9.00 Uhr

Über Essen spricht man nicht! Die Geschichte der Kulinarik als Gegenstand der Kulturvermittlung. Tagung

AUF DEN SPUREN DER ÄLTESTEN KOCHGEHEIMNISSE. KOCHEN WIE IM ALTEN MESOPOTAMINE. KOCHWORKSHOP

Freitag, 15. Oktober 2021, 16.00 Uhr

Foto: Archeomuse

Im Rahmen der Tage der historischen Kochkultur entführt uns die Archäologin Elisabeth Monamy von Archeomuse zu den ältesten erhaltenen schriftlichen Rezepten. Diese Rezepte sind auf Tontafeln geschrieben worden und erst im 20. Jh. ausgegraben. Lange ruhten sie dann in einer Lade in einem Museum, bis jemand sie entziffert hat! Dank dieser 3 Tontafeln mit ca. 30 Rezepten können wir uns den antiken Geschmack vorstellen – und gemeinsam nachkochen. Kommen Sie mit auf diese kulinarische Zeitreise ins alte Mesopotamien!

Ort: kokumu Testküche, Eggenstraße 13, 3730 Eggenburg

Preis: 99,– €, inkl. Materialien, Essen, Getränke

Anmeldung

KULINARISCHE SCHÄTZE IM KRAHULETZ-MUSEUM. FÜHRUNG

Freitag, 15. Oktober 2021, 20.00 Uhr

Foto: Krahuletz-Museum

Das Krahuletz-Museum bietet mit seinen umfangreichen geologischen, paläontologischen und archäologischen Sammlungen einen breit gefächerten Zugang zur Natur- und Kulturgeschichte im nordwestlichen Niederösterreich. Erweitert wird das Spektrum durch die umfangreiche volkskundliche Sammlung und wechselnde Sonderausstellungen aus dem Sammlungsbestand. Das Museum ist nach dem Eggenburger Forscher und Sammler Johann Krahuletz (1848–1928) benannt.

Johannes Tuzar, der Direktor des Krahuletz-Museums, zeigt in einer Sonderführung durch die aktuellen Ausstellungen jene Exponate, die über die Geschichte der Kulinarik erzählen.

Ort: Krahuletz-Museum, Krahuletzplatz 1, 3730 Eggenburg

Eintritt frei!

ÜBER ESSEN SPRICHT MAN NICHT! DIE GESCHICHTE DER KULINARIK ALS GEGENSTAND DER KULTURVERMITTLUNG. TAGUNG

Foto: Rica Holer





Die Geschichte der Kochkunst stellt für die Geisteswissenschaft eigentlich einen Glücksfall dar, nicht nur wegen der möglichen methodischen Bandbreite, sich ihr zu nähern. Schließlich beschäftigt sie sich mit einem Thema, das jeden Menschen betrifft und zu dem die meisten Menschen einen starken Bezug haben. Das liegt auch daran, dass der menschliche Geschmackssinn in der Kindheit entscheidend geprägt wird und die Geschmackserinnerungen an das Essen von damals ein Leben lang mitschwingt. Viele Menschen können kochen, mal mehr, mal weniger ausgebildet, und tun es leidenschaftlich, wie der internationale Kochboom zeigt, der seit den späten 1990er Jahren auch hierzulande beständig lodert und sich immer weiter verzweigt, in Craft Beer-, Kaffee- oder Sauerteigansätze.

Die Voraussetzungen, Menschen für wissenschaftliche Erkenntnisse zu interessieren, sind also hervorragend. Wie allerdings wird dies gemacht? In der Wissenschaft gibt es unterschiedliche Herangehensweisen sich mit Fragen auseinanderzusetzen, wie die Kreisläufe der Lebensmittel in verschiedenen Phasen der Geschichte funktionierten, von der Beschaffung bis zur Zersetzung von Nahrung. Diese sind so unterschiedlich wie der jeweilige Hintergrund der Forschenden, sei es die Literatur- oder Sprachwissenschaft, Geschichte, Archäologie oder Kunstgeschichte. Ähnliches spiegelt sich auch bei interessierten Laien wider, die autodidaktisch am Thema forschen.

Die Vorträge im Rahmen unserer Tagung “Über Essen spricht man (nicht)!” übertragen wir am Samstag und Sonntag jeweils 9.00 Uhr per Zoom in die ganze Welt!
Meeting-ID: 301 935 0422
Kenncode: kokumu

Samstag, 16. Oktober 2021
ab 8.30 Uhr
Registrierung
9.00 Uhr
Georg Geml, KochKulturMuseum, Eggenburg
Begrüßung und Einleitung
9.30 Uhr
Eva Maria Mannsberger, Neusiedl am See
Aus einem niederösterreichischen Kochbuch aus dem Jahre 1623 des Krahuletz-Museums in Eggenburg
10.00 Uhr
Sonja Hofbauer und Agnes Schillo, IG14, Wien
Vom Scherben zum Schmausen. Kulinarisches reverse engineering
10.30 Uhr
Kaffeepause
11.00 Uhr
Thomas Stern, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
Die kulinarische Sammlung der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
11.30 Uhr
Szilvia Osváthné Krammerhofer, Storno Museum, Sopron
Storno-Küche. Ein leckeres Museumsprojekt (Englisch!)
12.00 Uhr
Felix Bröcker, Hochschule für Gestaltung, Offenbach
Das Essen spricht! Essen als Vermittlungsmedium zwischen Kunst und Küche
12.30 Uhr
Diskussion

Sonntag, 17. Oktober 2021
9.00 Uhr
Katharina Seidl, KHM Museumsverband, Schloss Ambras, Innsbruck
Schräge Rezepte. „…die seind guet allen Leuten zu essen wan sy schwach sind“
9.30 Uhr
Veronika Zwerger, Österreichische Exilbibliothek im Literaturhaus, Wien
„Küche der Erinnerung. Essen & Exil“. Ein Projektbericht in Bildern
10.00 Uhr
Ina Jessen, Universität Hamburg und Dieter Roth Museum
Vom Kochen und Vergehen. Zu Dieter Roths Lebensmittelobjekten und Ausstellungspraxis
10.30 Uhr
Kaffeepause
11.00 Uhr
Elisabeth Monamy, Archeomuse, Wien
Vergangenheit begreifbar machen. Experimentelle Archäologie für Groß und Klein
11.30 Uhr
Magdalena Burger, Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Slavische Kulturgeschichte auf dem Teller. Das Projekt „Kulinarische Streifzüge durch das östliche Europa“
12.00 Uhr
Christina Jackel, KochKulturMuseum, Eggenburg
Ritteressen abseits der Ritteressensromantik. Ein mittelalterliches Hochzeitsmahl
12.30 Uhr
Mittagspause
14.00 Uhr
Johanna Weymann, Draiflessen Collection, Mettingen
Vermittlungsstrategien einer gesunden Ernährung in der volkssprachlichen neuzeitlichen Regimen sanitatis- Literatur
14.30 Uhr
Sarah Deichstetter und Ulrike Wagner, Stift Klosterneuburg
Viel Gesang und heitere Geselligkeit
15.00 Uhr
Marlene Ernst, Universität Salzburg, Fachbereich Geschichte/Gastrosophie
Barocke Kochkunst heute. Praxis- und vor allem bürgernahe Vermittlung von frühneuzeitlicher Esskultur
15.30 Uhr
Diskussion und Schlussresümee

Ort: Krahuletz-Museum, Krahuletzplatz 1, 3730 Eggenburg

Eintritt frei!

KRONLÄNDER-KÜCHE, MODERN UMGESETZT. KOCHWORKSHOP

Samstag, 16. Oktober 2021, 14.30 Uhr

Foto: Petra Eder

Jürgen Wolf führte ab 2011 bis 2020 das mit einer Gault-Millau-Haube ausgezeichnete Gasthaus Wolf im vierten Wiener Gemeindebezirk. Seine Rezepte sind authentische und kraftvolle Statements. Gekocht, geschmort und gebacken wird das, was die Saison hergibt. Für seinen Kochkurs im Rahmen der Tage der historischen Kochkultur besinnt sich Jürgen Wolf auf seine Sammelleidenschaft: Aus seiner Kochbuchsammlung sucht er die besten Rezepte aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert aus, die er neu interpretiert.

Ziele:
Planung, Organisation und Zubereitung eines dreigängigen Menüs;
Kenntnis, Qualitätsbestimmung, Vor- und Zubereitung von Fisch, Gemüse, Fleisch etc.;
Küchenpraxis und Tipps

Das Menü:
Safran-Fenchel-Bouillon aus regionalen Fischen
Zungenkarbonaden, Erdäpfelpürre und saurer Kürbis
Topfenknödel in Zimt-Butterbrösel mit Obströster nach saisonalem Angebot

Ort: kokumu Testküche, Eggenstraße 13, 3730 Eggenburg

Preis: 99,– €, inklusive Unterlagen, aller Kochzutaten, Wasser und Wein
Messer und Schürze bitte selbst mitbringen!

Anmeldung

KRÄUTERWANDERUNG

Samstag, 16. Oktober 2021, 14.30 Uhr

Foto: Christine Grasl

Die Welt der Wildpflanzen hält unendlich viele Möglichkeiten für uns bereit. Ob am Speiseplan, als natürliche Heilmittel oder zur Raumluftverbesserung – in allen Bereichen können diese genialen Pflanzenhelfer unsere Lebensqualität erheblich verbessern.Wildpflanzen waren seit Anbeginn der Menschheit Teil des Speiseplans. Das Wissen um die Potentiale, die in diesen teils unscheinbaren, oftmals sogar unerwünschten Pflanzen stecken, ist zwar heute noch da, aber nicht mehr sehr verbreitet.

Die Botanikerin und Wildpflanzenexpertin Christine Grasl nimmt Euch mit auf eine Wanderung durch Eggenburg und seine Umgebung und zeigt Euch, wie man die richtigen Pflanzen erkennt, worauf man beim Sammeln aufpassen muss und welche Verarbeitungsweise sich wofür am besten eignet.

Treffpunkt: Krahuletz-Museum, Krahuletzplatz 1, 3730 Eggenburg

Preis: 18,– €

Anmeldung

DIE GEWESTE GASTRONOMIE VON EGGENBURG. FÜHRUNG

Samstag, 16. Oktober 2021, 16.00 Uhr

Gasthof zum goldenen Löwen, Stadthotel, Gasthof zum goldenen Kreuz, Gasthof zur Linde… Die Liste der geschlossenen und nicht wieder eröffneten Gasthäuser in Eggenburg ist lang. Die Geschichten rund um diese Gasthäuser sind aber nicht weniger spannend.

Johannes Tuzar, Direktor des Krahuletz-Museums, und Georg Geml, Direktor des KochKulturMuseums, gehen in einem kurzweiligen Rundgang durch die Stadt Eggenburg auf Spurensuche nach den Zeugnissen der verloren gegangenen Gastronomie, von der schwarzen Kuchl bis zum Landgasthaus zum Seher.

Treffpunkt: Krahuletz-Museum, Krahuletzplatz 1, 3730 Eggenburg

Preis: 6,– €

Anmeldung

“ENDLICH HAM DIE STAANA AN GSCHMACK!” (CHRISTA FARKA). DIE RÖMISCHEN ESSEN IM GASTHOF ZUM LUSTIGEN BAUERN IN ZEISELMAUER. FESTVORTRAG

Samstag, 16. Oktober 2021, 19.00 Uhr

Foto: Thomas Peischl

Norbert C. Payr führte 30 Jahre lang den alteingesessenen Gasthof zum lustigen Bauern in Zeiselmauer und wurde dort u.a. mit einer Haube des renommierten Gault Millau Restaurantführers ausgezeichnet.

Sich auf das historische Römer-Erbe in Zeiselmauer besinnend, bot er ab 2001 Römer-Abende mit passenden Gerichten und Führungen zu den Mauer- und Gebäuderesten im Ort an. Gemeinsam mit Archäolog*innen entwickelte er das Programm, das er im Laufe der Jahre um Römerbrot, Römerwein und Römerschinken, erzeugt von lokalen Produzenten, erweiterte.

In diesem Festvortrag wirft Norbert C. Payr einen kurzweiligen und launigen Rückblick auf die Entstehung und Höhepunkte der Römer-Abende in Zeiselmauer.

Treffpunkt: Krahuletz-Museum, Krahuletzplatz 1, 3730 Eggenburg

Eintritt frei!